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Filmecho/Filmwoche Nr. 42/2006

Interessenverband der Animationsproduzenten

INTERNATIONALE VERNETZUNG ANGESTREBT

Auf dem europäischen TV-Koproduktionsmarkt Cartoon Forum in der französischen Stadt Pau hat eine Gruppe von Animationsexperten die Gründung des Vereins deutscher Animationsproduzenten (VdAP) bekannt gegeben (wir berichteten). In einer Pressemitteilung weist der Interessenverband darauf hin, dass branchenspezifische Bedürfnisse in der Politik nicht hinreichend wahrgenommen würden und dass die Rahmenbedingungen für internationale Koproduktionen zu wünschen übrig ließen. Über die Ziele des Vereins gab der Vorstandssprecher Michael Schmetz im Gespräch mit Reinhard Kleber Auskunft.

Filmecho
Warum diese Vereinsgründung?
Michael Schmetz Es hat ja in Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten verschiedene Bemühungen gegeben, die Animation zu vertreten. Es gab die ASIFA und die Gruppierung im Bundesverband deutscher Fernsehproduzenten. Während die ASIFA eingeschlafen ist, fühlte sich die Animationsszene durch den Bundesverband deutscher Fernsehproduzenten nicht ausreichend vertreten. Deswegen gab es schon seit zwei Jahren Gespräche, einen eigenen Verband zu
gründen. Der heißt nun „Verein der deutschen Animationsproduzenten“ und wurde am 13. Februar während der Berlinale gegründet. Wir sind aber erst jetzt an die Öffentlichkeit gegangen. Unsere Homepage www.vdap.org wird noch im Oktober eingerichtet. Zwischenzeitlich wurden erste Gespräche mit Vertretern der großen Verbände geführt und der VdAP steht einer Bündelung der Kräfte in Deutschland grundsätzlich positiv gegenüber.

Filmecho Wer ist im Vorstand?
Schmetz Der Vorstand besteht aus dem Ersten Vorsitzenden Michael Coldewey von der Firma Trixter in München, der Zweiten Vorsitzenden Sunita Struck von der Firma
Toons’n’Tales in Hamburg und dem dritten Vorstandsmitglied Stefan Thies von der Firma NFP animation in Berlin. Ich selbst bin Sprecher des Vorstands.

Filmecho Welche zentralen Ziele verfolgt der Verband?
Schmetz Erstes Ziel ist die Interessenvertreung, Stärkung und Förderung der deutschen Animationsindustrie. Dazu macht er Werbung für den Animationsproduktionstandort Deutschland, er vertritt die Interessen der Mitglieder, insbesondere gegenüber Auftraggebern, TVAnstalten, dem Markt, den Förderern und der Politik. Außerdem soll er die Interessen der Mitglieder gegenüber anderen, auch ausländischen Produzentenverbänden und Interessensgemeinschaften repräsentieren. Ein weiteres Ziel ist die Förderung von Aus- und Weiterbildung in der Animationsindustrie.

Filmecho Wer kann Mitglied werden?
Schmetz Vollmitglied kann jede Person oder Firma sein, die in Deutschland einen Wohn- oder Firmensitz hat. In dem Verein sind nicht nur Produzenten, sondern auch zum Beispiel Einzelpersonen aus den diversen Berufsständen der Animation zugelassen. Der Verein hat bis heute 14 Mitglieder, davon sieben Gründungsmitglieder. Mit Bekanntgabe der Vereinsgründung haben wir Anfragen von 25 Personen bzw. Firmen erhalten, die Mitglied werden möchten.

Filmecho Warum wurde der Verein gerade jetzt gegründet?
Schmetz Anlass der Gründung war ein deutsch-spanisches Koproduktionstreffen in Cordoba 2005, auf dem 12 deutsche und 15 spanische Produzenten zusammentrafen. Dort hat sich ein Großteil der Produzenten entschlossen, die Belange der deutschen Animation durch die Gründung eines Vereins in Angriff zu nehmen. Das Treffen wurde initiiert vom Vizepräsidenten des spanischen Animationsproduzentenverbands A.E.P.A., Manuel Cristobal. Unser Verein und die A.E.P.A. haben begonnen zu kooperieren.

Filmecho Ist der spanische Verband ein Vorbild?
Schmetz Sicherlich, das erfolgreichste Vorbild ist aber eher der französische Verband Syndicat des Producteurs de Films d’Animation (SPFA). Er betreibt seit mehr als 15 Jahren eine integrierende Interessenvertretung der Animation, wo Produzenten, Sender, Verleiher und die Politik sehr eng kooperien. Er hat geholfen, eine wirtschaftliche Kraft zu schaffen, die ihresgleichen in Europa sucht. Wir haben in Pau mit der SPFA, Pact in UK und dem VNAP in den Niederlanden erste Gespräche geführt.

Filmecho Wie will der Verein für den Standort Deutschland werben?
Schmetz Es gibt nur wenige spezifische Zahlen zur Animation in Deutschland, insbesondere im TVBereich, obwohl hierzulande enorm viel produziert wird. Wir bemühen wir uns darum, ein Zahlenwerk erarbeiten zu lassen, das auch auf unserer Homepage veröffentlicht werden soll. Der VdAP wird Ansprechpartner für Fragen zur Animation in Deutschland. Uli Wegenast, künstlerischer Leiter des Internationalen Trickfilmfests Stuttgart, hat signalisiert der deutschen Animationsindustrie und ihrem Talent eine bedeutende Plattform zu schaffen.

Filmecho Wo sehen Sie Handlungsbedarf bei den Rahmenbedinungen für internationale Koproduktionen im Animationsbereich?
Schmetz Es gibt in Europa eine Vielzahl von Koproduktionsabkommen zwischen einzelnen Ländern sowie das europäische Koproduktionsabkommen. Diese sind aber zum Teil unzulänglich für Animationsprojekte. Hier gibt es Harmonisierungsbedarf. Aus deutscher Sicht stehen bei internationalen Koproduktionen immer noch die Betriebsstättenproblematik und die Änderungen des Steuerrechts oben auf der Agenda.



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