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Animation in Deutschland
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Internationale Co-Produktion und CARTOON

Seit 1997 werden jährlich ca. drei Animationsspielfilme in Deutschland hergestellt. Ein Volumen von jährlich fünf bis sieben deutschen Filmen wäre gut vom hiesigen Kinomarkt zu verkraften und gäbe den Studios auch die Möglichkeit, ihr wertvolles kreatives Personal zu halten und kontinuierlich zu beschäftigen. Drei Filme jährlich – dies reicht nicht aus, um die vorhandenen Studiokapazitäten auszulasten. Alle Kinospielfilmproduzenten sind gleichzeitig auch Produzenten von TV-Serien. Der Marktanteil europäischer Animation im Fernsehen, das noch Ende der 1980er Jahre zu 90% von amerikanischer und asiatischer Animation geprägt war, konnte bis heute auf über 60% erhöht werden.

Die Entwicklung des deutschen und europäischen TV-Markts für Animation ist wesentlich dem seit 1989 existierenden Finanzierungsmarkt „Cartoon Forum“ zu verdanken. Cartoon Forum führt einmal jährlich im September 800 Produzenten, Sender und weitere Investoren (Videovertriebe, Weltvertriebe, Fonds) zusammen und stellt mittlerweile über 80 TV-Serien zur Finanzierung und Co-Produktion vor. Mehr als 70% aller entstehenden europäischen Serien finden hier ihre Finanzierung. Hierdurch ist seit über 15 Jahren ein effizientes Netzwerk von Produzenten und Investoren geschaffen worden, eine „Animation-Community“, die ihresgleichen in Europa sucht. Künstlerische und unternehmerische Talente im Zusammentreffen mit den Abnehmern des Marktes testen hier das Potential ihrer Geschichten und Produkte. Zwischen 1989 und 2004 wurden mehr als 260 Serien mit insgesamt 1.372 Programmstunden und Herstellungskosten von 1,2 Mrd. Euro finanziert.

Dieses Potential wurde genutzt, um den europäischen Finanzierungsmarkt für abendfüllende Animationsspielfilme, „Cartoon Movie“, aus der Taufe zu heben, der seit 1999 jährlich im März in Potsdam-Babelsberg stattfindet. Der Animationsspielfilm als sehr langfristig und international auswertbare Ware, der aber im Verhältnis zur TV-Serie eine wesentlich stärkere Geschichte benötigt, die über 75 bis 90 Minuten trägt, erfordert zur Herstellung hohe Kosten von 7 bis 25 Mio. Euro und von der ersten Idee bis zur Fertigstellung ca. drei bis fünf Jahre. Dieses Finanzierungsvolumen sowie die weiteren entstehenden Finanzierungskosten bis zur Refinanzierung des Projekts sind kaum von einem einzelnen Unternehmen bzw. Studio zu tragen. Neben dem Vorteil der übergreifenden territorialen Auswertung reduziert der deutsche Produzent sein unternehmerisches Risiko durch einen erheblich geringeren deutschen Finanzierungsanteil an den Gesamtherstellungskosten. Gleichzeitig erfordert die Form der Co-Produktion eine hohe gestalterische Zusammenarbeit und Abstimmung in Fragen der Entwicklung (Buch und Design), der Produktion und länderübergreifenden Herausbringung (Verleih/Vertrieb) sowie der entsprechenden Vorbereitung der Märkte (Marketing).

Die Globalisierung der Märkte hat für den Animationsspielfilm dieselbe Bedeutung wie für den TV-Markt. Deutschland kann heute nicht mehr isoliert agieren und ein deutscher Animationsspielfilmproduzent kann den internationalen Markt nicht mehr ignorieren. Beispiele hierfür sind die Filme „Petterson und Findus“ und „Hilfe! Ich bin ein Fisch“, die mittlerweile in über 15 europäischen Ländern im Kino gestartet wurden. „Tobias Totz und sein Löwe“ und „Der kleine Eisbär“ wurden neben ihrem sehr erfolgreichen Kinostart in Deutschland (ca. 3,3 Mio. Zuschauer) durch den Verbund zwischen Rothkirch Cartoon-Film in Berlin und Warner Bros. in Hamburg in allen wichtigen Territorien der Welt (d. h. Europa, Asien, Australien und den USA) im Fernsehen und auf Video/DVD vertrieben. Der Anteil deutsch-internationaler Co-Produktionen an der Gesamtproduktion im Vergleich der letzten sieben zu den kommenden drei Jahren wird von 31% auf 57% steigen.[1]

Cartoon Movie konnte seit 1999 die Anzahl der am Markt teilnehmenden Verleihunternehmen von 23 auf 64, die der Investoren von 60 auf 114 erhöhen, sodass sich ein europäisches, am Markt orientiertes Netzwerk von Produzenten, Verleihern und Investoren gebildet hat. Cartoon Movie hat ebenfalls dazu beigetragen, dass bei Produzenten und Verleihern ein verstärktes Bewusstsein für den notwendig hohen Qualitätsstandard der Drehbücher geweckt wurde, was insbesondere dem deutschen Kinderfilm und dem deutschen Family Entertainment zugute kam.

Diagramm: Anzahl der europäischen Animationsspielfilme der letzten 40 Jahre (1964-2004)[2]



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Diagramm: Anzahl der Kinoverleiher bei Cartoon Movie



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Diagramm: Anzahl der Investoren, Einkäufer und Vertriebe von Animationsspielfilmen bei Cartoon Movie



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Übersicht über die an Cartoon Movie teilnehmenden Sender, Verleiher, Weltvertriebe und Investoren in den Jahren 1999 bis 2004[3]



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TV-Sender

Belgien: VRT (Flemish Belgian Public Broadcaster)
Dänemark: DR-TV
Deutschland: Der Kinderkanal ARD/ZDF (KI.KA), Disney Channel, Fox Kids Germany, Hessischer Rundfunk (HR), Mitteldeutscher Rundfunk (MDR), Norddeutscher Rundfunk (NR), SAT.1/ProSieben, Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), Super RTL, Südwestrundfunk (SWR), Westdeutscher Rundfunk (WDR), ZDF
Frankreich: Arte G.E.I.E., Canal+, France 2, France 3 Cinéma, France 5, M6 Métropole Télévision
Irland: Radio Telefis Eireann (RTE)
Italien: Mediaset, Rai Cinema, RAI Trade, Walt Disney Television Italia
Niederlande: KRO Radio & Television
Spanien: Antena 3TV, Canal Sur Televisión, Euskal Telebista (ETB), Ibisa Televisión, Televisión Española (TVE)
UK: BBC, Children’s BBC
USA: MTV


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Verleiher

Belgien: Cinélibre-Cinéart, Eliza Films, Folioscope, Lumière Productie & Distributie, Le Parc Distribution, Nord Films, Vlaams Centrum voor Kinder- en Jeugdfilm
Bulgarien: Big Bang Communications
Dänemark: Nordisk Film International Sales, Scanbox Entertainment
Deutschland: Anime Virtual GmbH, Argus International, Bavaria Film International, Beta Cinema (Beta Films GmbH), Buena Vista GmbH, Constantin Film, Delphi Filmverleih GmbH, Edel Media & Entertainment GmbH–Edelkids, EIV Entertainment Filmproduktion, Fresh Media GmbH, Helkon Filmverleih, Igel Media, Kinowelt Home Entertainment, MDC Int. GmbH, MFA+, Movienet Film, Piffl Medien GmbH, Progress Filmverleih, Saban Entertainment, Senator Entertainment AG, SF Media GmbH & SoloFilm Verleih GmbH, Tobis Film GmbH & Co. KG, Universum Film GmbH & Co. KG, Warner Bros. Entertainment GmbH, Warner Bros. Film GmbH, Warner Home Video, X Verleih AG
Finnland: Finnkino, Forum Multimedia, Point Alvin Oy, Scanbox Finland
Frankreich: AB Groupe, Archimède International, Boomerang Productions, Carlotta Films, Cinéma Public Films, Colifilms Distribution, CTV International, Deal, Editions Montparnasse, Family Films, Films Distribution, Films du Paradoxe, Films sans Frontières, France Télévisions Distribution, Gebeka Films, Indie Circle, Haut et Court, K Films, M6 Interactions, MK2, Outsider Diffusion, Paradis Films/Océan Films Distribution, Pathé Distribution, Président Films, Roissy Films, Studios Animage, TF1 Vidéo, Universal Pictures Video, Wild Bunch/Exception, Wild Side Video
Italien: Alfadedis Entertainment Spa, Artech Video Record, Cecchi Gori Distribuzionze, Dall’Angelo Distribution, Distributori Televisivi Associati (DTA), DNC Entertainment, Filmexport Group, Mikado Film, Multimedia Film Distribution, Sharada Film, Wit Movie
Luxemburg: Iris Production S.A., Oniria Distribution, Paul Thilges Distribution, Pomalux
Niederlande: A-Film Distribution, Cometstone International BV/Comet Films, Twin Film/Twin Video
Norwegen: As Fidalgo
Portugal: Lusomundo Audiovisuais
Russland: Argus Anima GmbH, Ruscico
Schweden: Folkets Bio, NonStop Entertainment, Trianglefilm
Schweiz: D.N.A., Mont-Blanc Distribution SA
Spanien: All Rights Management, B.R.B. Internacional, deaPlaneta S.L., Filmax International, Filmayer Entertainment, Grupo PI, Icon Animation, Lumina Films, Magic Films, Megatrix
UK: Diva UK, Dreamworks UK, Hanway, Odyssey Entertainment Limited, Paramount Pictures/Paramount Home, Pathé Pictures Ltd, The Feature Film Company, Universal Pictures Visual Programming, Winchester Film
Ungarn: InterPannonia FilmProduction and Distribution Co. Ltd
USA: 20th Century Fox, Artisan Entertainment, DreamWorks SKG, Disney/Buena Vista, Klasky Csupo, MTV, Noreaster Pictures, Top Dog Media, Warner Bros. Pictures


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Investoren/Weltvertriebe

Belgien: Vlaams Audiovisueel Fonds (VAF), Flemish Audiovisual Fund
Dänemark: Danish Video Association, The Danish Film Institute
Deutschland: Bankhaus Lampe, Baumhaus Medien und Verlag, Berlin Animation Film (BAF), Commerzbank Securities, Deutsche Bank, DMB International, EM.TV & Merchandising AG, Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH, FilmFernsehFonds Bayern, Filmförderung Baden-Württemberg, Filmförderung Hamburg, Filmförderungsanstalt (FFA), Greenlight Media AG, Hypovereinsbank Berlin, Bayerischer Bankenfonds (BBF), Investitionsbank Berlin (IBB), Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), Junior TV, KGAL, Kirch Media, Kuratorium Junger Deutscher Film, Mitteldeutsche Medienförderung GmbH (MDM), nordmedia – Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen GmbH, Palan Musik Verlag, Peppermint GmbH, Producers’ AG, Polyband – Gesellschaft für Bild- und Tonträger GmbH & Co. KG, RTV Family Entertainment, Sal. Oppenheim Jr & Cie Frankfurt, Sal. Oppenheim Jr & Cie Köln, Studio Babelsberg, Studio Hamburg Produktion, Telepool, TV Loonland AG, Wild Trixx Media GmbH, ZDF Enterprises - Frankreich: Carrere Group, Centre National de la Cinématographie (CNC), Cofiloisirs, Dargaud Marina, Dupuis Audiovisuel, Eurimages, Logos, Editions Montparnasse, Natexis Coficiné, Nelvana International, Saban International Paris, Télé Images Kids, Xilam
Irland: The Irish Filmboard
Italien: Valerio Mariani Communications
Kanada: Nelvana Animation, Ciné Group Corporation
Niederlande: The Licensing Channel BV
UK: BBC Worldwide, Cake Entertainment, Scottish Screen, Sullivan Entertainment, TV Loonland UK
USA: Palm Tree Films, Wildbrain Inc. USA


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Anmerkungen

[1] Vgl. die Tabellen „Deutsche Animationsspielfilme einschließlich Co-Produktionen 1997-2004“ und „Die deutschen Animationsspielfilme 2005-2007 (Auswahl)“ in Kapitel 3.6.
[2] Quelle der drei Graphiken: Cartoon (AEFA)
[3] Cartoon (AEFA)



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