Die Krise des Kinderfernsehens sei evident, schreibt Tilmann P. Gangloff in der Frankfurter Rundschau zu einer neuen Studie über internationales Kinderfernsehen. Zur finanziellen Bedrohung, weil vielerorts die Mittel gekürzt werden, geselle sich Einfallslosigkeit, man gehe oft lieber auf Nummer sicher, statt Experimente zu wagen. Vor allem kommerzielle Kindersender, kritisiere Maya Götz, Leiterin des Prix Jeunesse und des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI), „geben lieber die zwölfte Version von ‚Bob der Baumeister' in Auftrag, statt neue Ideen zu entwickeln“
Diese Erkenntnis sei bloß ein Nebenprodukt der vom IZI initiierten Studie. In erster Linie habe sich die weltweit unternommene Untersuchung mit der Verteilung der Geschlechterrollen in TV-Produktionen für Kinder beschäftigt.
Offenkundigstes Ergebnis: Zentrale Figuren seien überwiegend männlich, selbst wenn das Geschlecht dramaturgisch völlig unwesentlich sei. Beim Zeichentrick sei das Missverhältnis noch ausgeprägter und in öffentlich-rechtlichen Sendungen das Gefälle sogar noch etwas stärker als bei Produktionen von Privatsendern.
Weibliche Figuren erreichten ihre Ziele in erster Linie dank der sogenannten „Waffen" der Frau, also etwa durch Flirten. Diese Sexualisierung der Figuren sei eindeutig das Ergebnis der Fantasie männlicher Erwachsener.
„Quasi nebenbei“, so Gangloff weiter, werfe die Studie auch ein bezeichnendes Licht auf die Globalisierung des Kinderfernsehens: Bei 84 Prozent der untersuchten Sendungen habe es sich um Animation gehandelt, nur knapp ein Viertel der Produktionen stamme aus dem jeweiligen Land, 77 Prozent seien Importware. Ausnahmen: die USA (82,7 Prozent) und Großbritannien (66,7 Prozent); hier stamme der weitaus größere Teil des Kinderfernsehens aus dem eigenen Land. Der Anteil amerikanischer (USA, Kanada) Produktionen am weltweiten Kinderfernsehen betrage 60 Prozent, 27,9 Prozent würden aus Europa und 9,3 Prozent aus Asien importiert.
Zum Artikel auf den Seiten der Frankfurter Rundschau: „Lauter weiße Ami-Jungs“
Zur Studie auf den Seiten vom Prix Jeunesse
26. Juni 2008
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In Studie unerwähnt: „Kim Possible“ (Super RTL)

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