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VdAP-Interview
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Die VdAP-Vorstandsmitglieder Michael Coldewey und Stefan Thies erläutern, wie der VdAP beim internationalen Animationsfestival „Cartoons on the Bay – International Festival of Television Animation“ in Salerno den Animationsstandort Deutschland vertreten hat, warum die Zusammenarbeit der nationalen Animationsverbände in Europa so wichtig ist und was den VdAP aktuell in Deutschland besonders umtreibt.
SALERNO, BRÜSSEL, THÜRINGEN
Was für eine Bedeutung hat „Cartoons on the Bay“ für die Animationsszene? Michael Coldewey: „Cartoons On the Bay“ ist eines der wichtigen europäischen Animationsfestivals, natürlich fokussiert auf die italienische Szene, aber mit internationalen Teilnehmern und einem internationalen Wettbewerb. Ein wichtiger Termin für Produzenten und Sender, Festivalvertreter und natürlich Autoren, Animatoren – insgesamt so zwischen vier- und fünfhundert Filmschaffende, die da sind.
Der VdAP hat sich in Salerno zum ersten Mal auf der internationalen Bühne präsentiert. Mit welchem Ziel? Stefan Thies: Wir waren letztes Jahr beim Cartoon Forum in Pau präsent, und im März natürlich auch in Potsdam bei Cartoon Movie, beides auch durchaus internationale Veranstaltungen. Dort war die Botschaft, zu sagen: Den VdAP gibt es jetzt, wir sind jetzt Ansprechpartner für die Branche, wir sind da. Bei „Cartoons On the Bay“ in Salerno ging es darum, die deutsche Animationsbranche, die der VdAP repräsentiert, vorzustellen. Und natürlich die Koproduktion zu verstärken zwischen Deutschland und Italien, die jetzt immer wichtiger wird. Der Grund: Italien hat – in etwa analog zum spanischen und deutschen System – nationale und regionale Film- und Fernsehförderungen bekommen. Das gab es vorher so nicht. Dadurch werden italienische Animationsstudios sehr interessante Koproduktionspartner auch für Deutsche; sie arbeiten wohl auch gerne mit Deutschland zusammen. Das haben wir zum Anlass genommen, uns dort zu präsentieren und zu sagen: Wir sind die richtigen Partner für euch. Drei Koproduktionen mit Mitgliedern des VdAP laufen auch schon.
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Wie hat der VdAP sich und die deutsche Animationsszene in Salerno präsentiert? Stefan Thies: Das war ein offizieller Teil des Festivalprogramms. Überschrift: „Focus on Germany“. Michael Coldewey: Am Eröffnungstag gab es auf der Bühne des Hauptsaals ein Panel mit uns, also den VdAP-Vertretern, mit deutschen Produzenten und Förderungen. Und im Saal vertreten war natürlich: Europa. Da war das erste Mal klar: Moment mal, es gibt in Deutschland tatsächlich eine Szene, die anfängt, sich zu organisieren. Die nächsten zwei Tage hatten wir einen Konferenzraum für „Round-Table-Gespräche“. Da waren deutsche Vertreter, immer in etwas anderen Besetzungen, immer mit dem VdAP in der Mitte, rundrum die deutschen Studios, die sich präsentiert haben, und an den Flügeln die anderen Produzenten aus dem Festival. Dazu hatten wir einen großen Stand, wo den ganzen Tag Gespräche geführt werden konnten, mit Möglichkeiten für Screenings, um sich gegenseitig zu zeigen, was man so gemacht hat und zu sehen, wie man vielleicht zusammenpassen könnte. Ach ja, zu einem Empfang hatten wir auch eingeladen. Stefan Thies: Die deutsche Szene hat sich eben vorgestellt. Die Italiener wissen ja wenig darüber, wie das in Deutschland funktioniert. Deswegen waren auch zwei Filmförderungen dabei, nämlich die MfG Baden Württemberg mit Gabriele Röthemeyer und Michaela Haberlander vom FFF Bayern, der unseren Auftritt sogar auch finanziell unterstützt hatte.
Wie konnte der FFF zur Förderung bewegt werden? Michael Coldewey: Wir haben klar gemacht, wie wichtig es ist, in Europa Deutschland als Animationsstandort bekannt zu machen und auch bekannt zu machen, dass es hier mit dem VdAP einen zentralen Ansprechpartner für Animation gibt. Und natürlich, weil Bayern ja praktisch das Nachbarland von Italien ist.
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Neben der Promotion für den Animationsstandort Deutschland gab es für den VdAP in Salerno ein zweites wichtiges Thema ... Michael Coldewey: ... die internationale Venetzung, ja. Darüber haben wir intensive Gespräche geführt mit Christian Davin vom französischen Animationsverband SPFA und Antonio d’Ocon vom spanischen Verband AEPA. Die haben gesagt, wenn ihr jetzt organisiert seid in Deutschland, was immer gefehlt hat, wollen wir es nochmal angehen lassen mit der paneuropäischen Geschichte. Stefan Thies: Eine Zusammenarbeit der verschiedenen Länderverbände, der gewichtigen jedenfalls: Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland und Großbritannien. Anlass war auch, dass auch die italienischen Produzenten – zahlenmäßig etwa so „stark“ wie Deutschland – sich organisieren, was für Italien doch etwas Besonderes ist.
Welches können die Ziele einer pan-europäischen Zusammenarbeit der Verbände sein? Michael Coldewey: Es gibt viele, natürlich, aber das Hauptziel ist wohl, in Brüssel Einfluss zu bekommen, und dann über Brüssel wiederum Einfluss auszuüben auf die lokalen Regierungen und die lokalen Förderungssysteme. Wenn ein Produzent eine Förderung braucht, muss er sozusagen nach oben, um sie zu bekommen. Wir zum Beispiel in Bayern hören ganz oft, vom FFF und aus der Staatskanzlei: „Wir wollen ja, aber wir können nicht.“ Wegen des Wettbewerbspolitik Brüssels, Stichwort Subventionsvorbehalt. Es gibt eine ganze Menge Fragen, die da enden. Die in der Staatskanzlei können dann auch nichts mehr machen. Wenn aber in Brüssel eine Vertretung ist oder man dort irgendwo angegliedert ist, dann kann man darüber ganz anders nachdenken und zum Beispiel die besondere Bedeutung der Animationsindustrie herausstellen und damit auch die ganz besonderen Bedürfnisse dieser Branche thematisieren. Und damit über Brüssel, sozusagen von oben, Einfluss auch auf die lokalen Förderungen zu gewinnen, zum Beispiel.
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Es geht also darum, bei der Europäischen Kommission in Brüssel ein Bewusstsein für die Bedürfnisse der Animationsbranche in Europa zu schaffen? Stefan Thies: Ja, und zwar wirtschaftlich gedacht und nicht kulturell, wie das Cartoon macht. Wir müssen auf wirtschaftlicher Basis argumentieren und natürlich auch den Schwung der anderen Länder mitnehmen. Deutschland mit seinem Föderalismus ist ja ein Exot, mittelfristig muss sich Europa doch bitte mal über das Kungelrecht in Deutschland hinwegsetzen und versuchen, da was für uns zu regeln.
Wo hakt es denn besonders, wo ist der drängendste Handlungsbedarf? Stefan Thies: Zum Beispiel die Tatsache – ich beziehe es mal nur auf Deutschland –, dass die Sender hier ohne weiteres ihre Gebührengelder ins Ausland vergeben dürfen, ohne einem deutschen Produzenten den Auftrag auch nur anzubieten. Das ist sehr wohl eine wirtschaftliche Frage. Das ist in anderen Ländern eigentlich nicht möglich. Die Produzenten sollen gefragt werden müssen! So eine Praxis käme zum Beispiel in Frankreich überhaupt nicht in Frage. Die Franzosen haben ja eine große Präsenz in Brüssel, das wissen wir natürlich auch, und deswegen kann man auch aus der Not eine Tugend machen und sich denen anschließen.
Und wie geht es jetzt weiter? Stefan Thies: In Annecy wird es ein weiteres Treffen der europäischen Animationsverbände geben. Für den VdAP wird Michael Schmetz, der Sprecher des Vorstands, dabei sein. Dort sollen die gemeinsamen Ziele identifiziert und geklärt werden, wie wir die formulieren, wie wir weitermachen wollen, ob wir sozusagen eine europäische Animtionsverfassung finden.
Welches sind denn die aktuellen nationalen Themen für den VdAP? Michael Coldewey: Allerlei. FFA und DFFF, da sind wir schon ein gutes Stuck voran gekommen, die Anpassung der Regularien an die Besonderheiten der Animationsbranche zu initiieren. Filmpreise, also deutsche und europäische: hier muss eine Kategorie für Animation eingerichtet werden. Aber das aktuelle Top-Thema ist die Idee des KI.KA in Erfurt, zukünftig mit Produzenten anders zusammenzuarbeiten als in der Vergangenheit.
Wie war das in der Vergangenheit? Michael Coldewey: Wie bei andere Sendern auch. Sie haben für eine gewisse Zeit Lizenzen gekauft, Produktionen in Auftrag gegeben und und ausgestrahlt.
Und was soll in der Zukunft anders werden? Stefan Thies: Der KI.KA verbindet sich per Deal mit einem amerikanischen Produzenten, um automatisch mit dem Programm, das die beiden zusammen machen, auch auf dem amerikanischen Markt präsent zu sein. und somit Weltvertriebserlöse zu bekommen. Bisher waren der KI.KA und auch die Produzenten immer abhängig von Weltvertriebsfirmen, bei denen normalerweise nichts übrig bleibt, das kennen wir ja. Jetzt möchte er mit dem amerikanischen Partner exklusiv bei Koproduktionen zusammenarbeiten und die Programme sozusagen tauschen. Für die eigenen Produktionen braucht der KI.KA dann ein Studio, das für ihn die Arbeit macht. Dieses Studio soll aus medienpolitischen Gründen in Erfurt, Thüringen sitzen. Michael Coldewey: Es soll aber kein reiner Dienstleister sein, weil ihn der KI.KA beim Recoupment aus den internationalen Erlösen teilhaben lassen will, das ist der Anreiz.
Andere Produzenten würden dann keine Aufträge mehr vom KI.KA bekommen? Stefan Thies: Diese Gefahr, die vom KI.KA bisher bestritten wird, sehen wir natürlich. Wenn der KI.KA das erklärt, klingt es sehr plausibel und gar nicht so schlimm, aber wir als Produzenten wissen das natürlich sehr genau einzuschätzen. Michael Coldewey: Deshalb sind wir ja auf den Plan getreten. Jetzt finden intensive Gespräche zwischen KI.KA und dem VdAP statt, und diese Gespräche handeln vom Standort Erfurt und von der Zusammenarbeit zwischen dem KI.KA und den deutschen Animationsproduzenten und deren Studios, die nicht in Thüringen ansässig sind. Stefan Thies: Das alles basiert auf dem Politikum, dass Thüringen der Kindermedienstandort in Deutschland sein bzw. werden soll. Deswegen sitzt der KI.KA ja auch in Erfurt. Deswegen zieht jetzt auch die Produktion der langjährigen Serie „Schloss Einstein“ da hin. Nun soll da auch ein Trickstudio hin, mit dem der KI.KA alles machen muss. Es scheint egal zu sein, wie die Branche sonst strukturiert ist, da zählt wohl nur eins: Wertschöpfung in Thüringen. Das meinte ich eben mit dem deutschen, exotischen Föderalismus. Es ist einfach Unfug, was neues hinzubauen. Es gibt genug Studios in Deutschland, die professionell funktionieren und durchaus zusätzliches Produktionsvolumen abwickeln könnten.
Interview: Jens Steinbrenner
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